Sukeban
Definition
Sukeban bedeutet Mädchen-Boss. Der Begriff setzt sich aus suke für Mädchen und banchō für Bandenführer zusammen. Er bezeichnet Anführerinnen japanischer Mädchen-Gangs und die Gruppen selbst. Die Subkultur entstand in den späten 1960er Jahren. Sie war die Antwort auf rein männliche Jugendbanden. Sukeban ist eine visuelle Grammatik des Protests. Die klassische Schuluniform wird entfremdet. Röcke sind knöchellang statt kurz. Blusen werden gekürzt. Krägen und Mäntel tragen Stickereien mit Rosen oder Slogans. Diese DIY-Kultur ist mit dem britischen Punk vergleichbar. Filme und Mangas machten den Stil in den 1970ern populär. Heute existiert Sukeban vor allem als ästhetisches Zitat in der Mode.
Visuelle Grammatik
Silhouette
- Ein langer Faltenrock kombiniert mit einem kastigen Matrosenoberteil.
- Die bauchfreie Bluse trifft auf einen hoch taillierten Rock.
- Verhüllung der Beine als bewusster Kontrast zum Minirock.
- Ein langer bestickter Mantel wird offen über der Uniform getragen.
Materialien
- Einfacher Uniformstoff aus Serge oder Baumwolle statt Luxusgewebe.
- Stickgarn für Slogans und Gangnamen auf der Kleidung.
- Locker getragene Bandanas und Halstücher.
Konstruktion
- Eigensinnig modifizierte Matrosenkrägen.
- Manuell verlängerte Rockssäume.
- Handgefertigte Stickereien durch die Trägerin selbst.
- Hochgekrempelte Ärmel und farbige Socken anstelle von Weiß.
Farben
- Dunkelblau und Schwarz als Basis mit weißen Details.
- Rote Akzente bei Stickereien und Tüchern.
- Gefärbtes oder dauergewelltes Haar als Zeichen der Abkehr vom Standard.
Schuhwerk
- Canvas-Sneaker ersetzen die vorgeschriebenen Halbschuhe.
- Weit nach unten geschobene Socken.
Körperlogik
Das Outfit ist eine absichtlich falsch getragene Uniform. Das Haar ist aufgehellt. Die Augenbrauen sind zu einer harten Linie gezupft. Das Make-up bleibt ansonsten minimal. Das gekürzte Oberteil bricht die Linie an der Taille. Der lange Rock kehrt die Modetrends der Ära um. Das Volumen verlagert sich nach unten. Der Torso wirkt behördlich. Die Länge signalisiert Rebellion. Der Rücken dient als Leinwand für gestickte Botschaften.
Exemplare
- Saki Asamiya (Sukeban Deka)1975 bis 1987Die Heldin mit dem Jo-Jo aus Manga und TV. Sie ist die bekannteste Repräsentantin des Stils.
- Reiko Ike und Miki Sugimoto1971 bis 1974Stars des japanischen Exploitation-Kinos. Sie prägten das Bild des weiblichen Delinquenten.
- Reiko Oshida1970 bis 1971Hauptdarstellerin der ersten Sukeban-Filmreihe von Toei.
- Makoto Kino (Sailor Jupiter)seit 1992Ein Charakter aus Sailor Moon. Ihr langer Rock bewahrt die Sukeban-Codierung für spätere Generationen.
Zeitstrahl
- Späte 1960erErste Sukeban-Gangs bilden sich als weibliches Pendant zu den Banchō-Gruppen.
- 1972Der Begriff Sukeban geht in den allgemeinen japanischen Sprachgebrauch über.
- 1970 bis 1973Filmreihen wie Girl Boss Guerilla machen die Subkultur massentauglich.
- Mitte der 1970erHöhepunkt der realen Gang-Kultur mit strengen Hierarchien und Kodizes.
- 1985 bis 1987Die Serie Sukeban Deka macht den Look zum Pop-Phänomen.
- Rückgang in den 1980ernPolizeidruck löst die Strukturen auf. Der Stil lebt in der Yankī-Kultur weiter.
- 2004 bis heuteDie Ästhetik kehrt in High-Fashion-Editorials und Anime zurück.
Referenzen
- Healy, Claire Marie. „Remembering Japan’s badass 70s schoolgirl gangs.“ Dazed, 2015.
- Weinstock, Tish. „How Sukeban Is Redefining the Japanese Concept of Delinquent Girl Gangs.“ i-D, 2017.
- „Sukeban Fashion: The Girl Gang Rebellion in School Uniforms.“ Yokogao Magazine.
- Miller, Laura, und Jan Bardsley (Hrsg.). Bad Girls of Japan. Palgrave Macmillan, 2005.
